Alles nur Quatsch? Wie Verschwörungstheorien funktionieren

Wenn Naturheilerinnen im Mittelalter zu Hexen oder das jüdische Volk zu Feinden gemacht wurden, spielten oft Verschwörungstheorien eine große Rolle. Warum solche Mythen entstehen und wie man dabei den Überblick behält, verrät uns Mag. Johannes Güttler, Psychologe und Psychotherapeut.

 

Letzte Woche haben wir dir schon zusammengefasst erklärt, was es mit Verschwörungstheorien auf sich hat. Hier kannst du jetzt das ganze Interview mit Mag. Johannes Güttler lesen.

 

Warum entstehen Verschwörungstheorien?

Für ein kompliziertes Thema wird eine einfache Erklärung geliefert, die Halt und Sicherheit gibt. Meistens gibt es auch einen angeblich Schuldigen. Oft steckt auch ein Quäntchen Wahrheit in der Verschwörung. Deshalb finden Verschwörungstheorien auch leicht Anhänger.

 

Warum verbreiten sich Verschwörungstheorien?
Ich glaube, dass diese Verschwörungstheorie, genau ein Problem des Internets und der Social Media Kanäle ist. Obwohl das Internet demokratisch sein sollte.  Es wird immer schwieriger zu überprüfen, ob eine Theorie stimmt. Die Meinung mit den meisten Likes ist nicht unbedingt die richtige. In Zeiten von gekauften Accounts und bezahlten Influencern ist der ungehemmte Zugang zur Information gleichzeitig Nährboden für Fehlinformation. Mit nur wenigen Klicks und ein paar Likes findet man sich plötzlich in einer Blase.

 

Was hat eine Verschwörungstheorie mit Angst und Unsicherheit zu tun?

Angst und Unsicherheit sind der Nährboden dafür. Zum Beispiel die Angst etwas nicht zu bekommen. Eine einfache Erklärung liefert dann auch Orientierung in unserer komplexen Welt. Menschen die Angst haben oder sich unfair behandelt fühlen, wünschen sich oft eine "starke Persönlichkeit", die ihnen sagen kann wer gut und wer böse ist.

 

Was hat das alles mit unserem Hirn zu tun?

Da sind wir beim Wahrnehmungsfilter in der Psychologie. Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann erreichen auch nur solche Informationen mein Gehirn, die zu dem Bild, dass ich von der Welt habe, passen. Wenn etwas nicht zum Weltbild passt, wird es vom Gehirn umgedeutet. Außerdem bestärkt unser Hirn auch eine Entscheidung, die man einmal getroffen hat.

 

Wie geht man mit Menschen um, die an eine Verschwörung glauben?

Man kann einer Person die sich in einer Verschwörung verstrickt hat, helfen, in dem man sich ihr widmet. Man sollte zuhören. Aber da man selbst meist auch kein Experte auf einem Gebiet ist, könnte man sich in weiteren Argumenten leicht verstricken. Eine Person wird ihre Ansichten trotz Fakten aber weiterhin verteidigen. Darum sollte man viel mehr versuchen zu entdecken, welche eigenen Bedürfnisse oder Ängste hinter einem Irrglauben stecken. Das ist der eigentliche Nährboden für den Glauben an Verschwörungstheorien. Mittlerweile geht man davon aus, dass Verschwörungstheoretiker mehr durch Unsicherheit und Angst in diese Richtung abgeleitet werden. Man sollte auch Bedenken, dass nicht jeder Kritiker automatisch irre ist und nicht immer hat die Masse recht.

 

Wie kann man selbst vermeiden in diese Falle zu geraten?

Es hilft sich Zeit zu nehmen, zu überlegen und Quellen zu studieren. Etwas aus einem anderen Blickwinkel betrachten – das muss aber geübt werden. Man müsste sich die Frage stellen „Könnte es auch anders sein?“.

 

Also nicht vergessen:

 

  • Faktencheck machen
  • Zuhören
  • Quellen und Thema ausgiebig recherchieren
  • Nachfragen
Logo Tips
Logo VKB
Logo Oberösterreichische
Logo Life Radio
Logo Tips
Logo VKB
Logo Oberösterreichische
Logo Life Radio